Mit Empathie zu wahrer Führungsstärke

In vielen Unternehmensbroschüren und Jahresansprachen wird bezeugt, wie wichtig die Mitarbeiter für den Erfolg sind. Ob Führungskräfte diesen Anspruch wirklich erfüllen können, zeigt sich aber häufig erst in Stress- oder Drucksituation.

Keine Firmenwebsite kommt heute ohne ein Bekenntnis zum Mitarbeiter als wichtigster Ressource des Unternehmens aus. In vielen Fachbüchern und Seminaren werden Führungskräften die richtigen Wege und Methoden zu guter Führung nahegelegt. Und all diese Bekenntnisse und Anstrengungen sind richtig: Ohne kompetente und motivierte Mitarbeiter kann ein Unternehmen kein Erfolg haben. Erst das Engagement und die Begeisterung von Menschen kann innovative Produkte entstehen lassen und Kunden überzeugen.

Aus dieser Erkenntnis heraus wird Führungskompetenz groß geschrieben. Führungskräfte lernen mit Zielen zu führen, mit schwierigen Mitarbeitern zu kommunizieren und Zusammenarbeit im Team zu fördern. Doch häufig ist Führung nur eine Einbahnstraße als Monolog der Führungskraft an den Mitarbeiter. Von oben nach unten werden in der Hierarchie Ziele vorgegeben, das gilt bei genauerem Hinsehen auch dann, wenn von einer Zielvereinbarung gesprochen wird. Die Entscheidungen einer Führungskraft, welche Projekte gestartet werden und welche Mitarbeiter befördert werden, sind immer Top-Down-Aktionen.

Was oft fehlt ist ein offenes Ohr für die Meinungen und Gefühle der Menschen. Wer nimmt sich denn schon die Zeit, den Menschen zuzuhören? Wer kann es aushalten, einem anderen fünf Minuten zu folgen, ohne zu unterbrechen? Viel zu oft meinen Führungskräfte genau zu wissen, was richtig für die Mitarbeiter sei. Aber mindestens genauso oft ist ein eklatanter Mangel an Einfühlungsvermögen zu beobachten. Unter Empathie versteht der Duden die „Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen“.

Die Fähigkeit zur Empathie mag ich niemandem absprechen, doch fehlt viel zu oft die Bereitschaft dazu. Es wäre nur ein kurzer Perspektivwechsel und ein selbstkritischer Blick auf die eigenen Worte und Entscheidungen aus der Sicht der betroffenen Mitarbeiter. Es kostet nicht viel Zeit, doch bringt so viel, wenn Führungskräfte den Mut hätten, Ihr Reden und Tun gewissenhaft auf die Wirkung bei den Mitarbeitern abzuprüfen. Führungskräfte wären in der Lage, leere Worte, falsche Erwartungen und verletzende Entscheidungen zu erkennen. Sie hätten die Chance, den richtigen Ton zu treffen, als Vorbild an Autorität zu gewinnen und Charakter zu zeigen. Doch warum nutzen sie es so selten?

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