Der Schimmelreiter als Management-Literatur

Die Novelle „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm ist auch nach über 120 Jahren noch ein spannendes und aktuelles Buch, das sich zu lesen lohnt. Auch aus Management-Perspektive offenbart der Protagonist Hauke Haien wesentliche Erkenntnisse über Führung und Projektmanagement.

Aufstieg zum Deichgraf und „Projektleiter“

Am Anfang stehen Hauke Haiens starkes Interesse für Mathematik und eine Leidenschaft für Wellen und Deiche. Dies mündet in eine Knecht-Stelle beim Deichgraf, bei dem er sehr gute Arbeit leistet. Hauke Haien wird mit der Zeit zum „heimlichen Führer“ und macht den Job des Deichgrafen, dem er inzwischen fachlich überlegen ist.

  • Als der Deichgraf stirbt und damit dieser Job neu zu besetzen ist, erhält Hauke Haien diese Stelle aufgrund zweier Faktoren. Zunächst ist dort sein anerkanntes und geschätztes Wissen, das er in vielen Jahren unter Beweis gestellt hatte. Gleichzeitig hat er aber auch einen Führsprecher, der ihn erst in diese Position hebt. Die Tochter des verstorbenen Deichgrafs weist auf die bis dahin geheime Verlobung der beiden hin, die für Hauke Haien den notwendigen Grundbesitz bedeutet und damit die Voraussetzung für die Berufung zum Deichgraf erfüllt.

Unterstützer für den neuen Deichbau

Auch im weiteren Verlauf der Geschichte steht seine Frau Elke immer hinter ihm. Sie unterstützt ihn in schwierigen Phasen, hält ihm den Rücken frei und ermöglicht ihm so seine volle Konzentration auf den Deichbau.

Als Deichgraf will Hauke Haien ein großes und visionäres Projekt verwirklichen: Ein neuer Deich mit neuem Profil soll gebaut werden. Hierfür sammelt er Verbündete und Unterstützer. Sein „Vorgesetzter“ ist der Oberdeichgraf und ihn kann er für sein Projekt gewinnen.

Fatales Change Management führt zur Katastrophe

Doch hier beginnt gleichzeitig das größte Versäumnis des Projektleiters: Hauke Haien setzt seinen neuen Deich gegen die Widerstände der Dorfbevölkerung durch. Er bindet die betroffenen Bauern nicht in seine Überlegungen mit ein, er überzeugt sie nicht von den Vorteilen des neuen Deichprofils und er hört nicht auf ihre Bedenken. Je mehr die Stimmung der Bauern sich gegen ihn wendet, desto engstirniger und härter führt er den Bau. Sein Auftreten schüchtert die Arbeiter ein, die nur Argwohn und Aberglauben für den Deichgrafen übrig haben.

Und das wird Hauke Haien am Ende zum Verhängnis. Als während eines gewaltigen Sturms der alte Deich zu brechen droht, handeln die Bauern ohne ihn anzuhören. Keiner steht mehr zu ihm und es kommt zur Katastrophe, als der Deich bricht und die ganze Familie Haien ihr Leben verliert.

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