Internationales Projektmanagement: Japan

Internationale Projekte werden immer häufiger und involvieren regelmäßig Mitarbeiter aus anderen Kontinenten. Bereits in der Zusammenarbeit mit europäischen Nachbarn treten schon erste Kultur-Unterschiede auf und sorgen für kleine Reibungspunkte. Wer aber mit US-Amerikanern oder Japanern in einem Projekt zusammenarbeitet, der findet sehr unterschiedliche Kulturen vor, die auch noch diametral entgegengesetzt zueinander sind.

Planung und Abstimmung vor dem ersten Schritt

In den ost-asiatischen Kulturen zählt das Kollektiv mehr als das einzelne Individuum. In diesem Sinn muss auch das Projektziel von der gesamten Gruppe verstanden und unterstützt werden. Leider kommen wir mit unserem Deutschen Ansatz hier nicht weit. Hier würden wir einer Runde ausgewählter Stakeholder unser Projekt vorstellen, in der Besprechung (oder auch in mehreren Runden) intensiv diskutieren und uns letztendlich auf einen gemeinsamen Weg einigen. Einzelgespräche sind bei uns eher eine flankierende Maßnahme für besonders herausfordernde Teilnehmer.

In Japan würde in einer so großen Runde niemand laut sagen, was er denkt. Denn erstens gelten hier ganz stark das Senioritätsprinzip und die Hierarchie, in denen die jungen Mitarbeiter nicht den älteren Widersprechen und sowieso niemand seinen Vorgesetzten in Frage stellt. Und zweitens würde eine offene Diskussion nie in großer Runde entstehen können, denn es darf niemand bloßgestellt werden oder sein Gesicht verlieren.

Die Bedeutung der Beziehungsebene

Als einzig sinnvolle Alternative bleibt dem westlichen Projektleiter nur ein Weg: Er muss die Entscheidungsträger identifizieren und mit allen einzeln und persönlich sprechen. Per E-Mail oder Telefon geht so etwas nur, wenn über längere Zeit Vertrauen aufgebaut wurde. Üblicherweise muss stattdessen viel Zeit für mehrere Gespräche vor Ort eingeplant werden. Und auch in diesen Gesprächen geht es nicht so klar und direkt zu wie in Deutschland. Ein „Hai“ kann zwar mit „Ja“ übersetzt werden, bedeutet zunächst aber nur „Ich höre Dir zu und kann Dir folgen“. Und ein „Ich werde darüber nachdenken“ bedeutet in unseren Worten „Was für eine absurde Idee“.

Jeder Ausländer ist gut beraten, sich in Japan den japanischen Gepflogenheiten anzupassen. Wer in einer Sitzung laut wird oder in die Konfrontation geht, wird schnell verschlossene Türen vorfinden. Wer jedoch auf der Beziehungsebene arbeiten kann, seinen Gegenüber respektvoll und würdig behandelt, der den ersten Schritt zu einem Projektstart geschafft.

Im Endeffekt dauert die Planungsphase für ein Projekt länger als in Deutschland. Wenn es dann losgeht, sind dafür aber auch alle im Boot und alles wurde gründlich durchdacht.

Und weitere Informationen zur „Kunst der indirekten Kommunikation“ im japanischen Berufsleben finden Sie in diesem Artikel in der WELT.

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